Eine Skihochtour erfordert mehr als nur sportliches Können – sie verlangt nach der richtigen Ausrüstung. Nur so kannst du dich im alpinen Terrain, bei wechselnden Wetterbedingungen und in exponierten Situationen schützen. Du erfährst hier, wie du deinen Skitourenrucksack optimal packst, welche Bekleidung dich warm und trocken hält und welche Sicherheitsausrüstung dir im Notfall zur Seite steht.
Welche Unterschiede gibt es zwischen normalen Skitouren und Skihochtouren bezüglich Ausrüstung?
Skitouren und Skihochtouren haben vieles gemeinsam, aber auch einige entscheidende Unterschiede, besonders wenn es um die Ausrüstung geht. Während bei beiden Arten von Touren das Ziel ist, unberührte Hänge fernab der Pisten zu geniessen, erfordern Skihochtouren aufgrund ihrer anspruchsvolleren Bedingungen und höheren Anforderungen eine speziellere Ausrüstung.
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Skitouren: Für klassische Skitouren, die meist im mittleren bis unteren Gebirgsmassiv stattfinden, genügt eine solide Ausrüstung, die hauptsächlich aus Tourenski mit Tourenbindungen, Fellen, einem Rucksack mit Sicherheitsausstattung und der üblichen Skibekleidung besteht. Bei diesen Touren bewegt man sich meistens auf weniger exponierten Gelände und der Fokus liegt auf der Bewegung und dem Genuss der Natur.
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Skihochtouren: Skihochtouren hingegen führen oft auf anspruchsvollere und hochalpine Gipfel, wo neben der normalen Skitouren-Ausrüstung auch spezielle Elemente für alpines Klettern und Gletscherüberquerungen notwendig sind. Hier ist neben robusteren und oft leichteren Skiern auch zusätzliches Material wie Steigeisen, Eispickel, Gletscherschutz, ein erhöhter Fokus auf die richtige Bekleidung (z.B. für extreme Kälte) und eine verbesserte Sicherheitsausstattung von Bedeutung. Auch die Tourenski sind in der Regel etwas robuster, da sie besser mit verschiedenen Schneeverhältnissen und steileren Anstiegen zurechtkommen müssen. Ausserdem sollten sie sowohl für lange und steile Aufstiege als auch anspruchsvolle Abfahrten geeignet sein.
Das passende Set aus Tourenski, Bindung und Tourenschuh
Neben der Sicherheits- und Notfallausrüstung darfst du die Ski-Basisausrüstung nicht vernachlässigen. Sie bildet die Grundlage für einen sicheren Aufstieg und eine kontrollierte Abfahrt.
Der ideale Tourenski für Skihochtouren
Für Skihochtouren sind schmalere Tourenski mit einer Mittelbreite von ca. 75–85 mm in der Regel ideal. Diese Modelle punkten durch ihr geringeres Gewicht und ihre hohe Wendigkeit, was dir vor allem bei steilen Hängen, Spitzkehren und in eisigen Bedingungen eine präzise Kantenkontrolle ermöglicht. Das leichtere Design unterstützt zudem deine Aufstiegsleistung, da du weniger Energie aufwenden musst – ein entscheidender Faktor bei technisch anspruchsvollen Routen. Breitere Ski ab 95 mm bieten zwar mehr Auftrieb im Tiefschnee, sind jedoch schwerer und weniger praktikabel, wenn es darum geht, schwierige Anstiege zu meistern. Für gemischte Bedingungen, bei denen sowohl Aufstieg als auch Abfahrt im Fokus stehen, kann ein Allround-Modell mit einer Mittelbreite von 85–95 mm eine Alternative sein. Letztlich bieten schmalere Tourenski die optimale Balance zwischen Sicherheit, Effizienz und Agilität im alpinen Terrain – perfekt für anspruchsvolle Skihochtouren.
Welche Skitourenbindung macht Sinn?
Für Skihochtouren macht es Sinn, auf leichte Bindungen zu setzen. Pin-Bindungen sind im Vergleich zu Rahmenbindungen deutlich leichter und damit in langen Aufstiegen weniger streng. Du kannst für kürzere Aufstiegen auch auf deine Freeride-Ski und -Bindung setzen. Für lange Touren empfiehlt sich dies jedoch kaum.
Zudem sollte die Bindung gut mit dem Tourenski harmonieren. Es macht keinen Sinn, eine möglichst filigrane und leichte Bindung auf einem breiten, robusten aber auch schweren, abfahrtsorientierten Freeride-Ski zu montieren. Die Stabilität und Kraftübertragung würde darunter leiden.
Denke auch daran, dass du auf Skihochtouren oft längere Aufstiege in teils hartem Firn bewältigst. Dort sind eine ideale Kraftübertragung und Stabilität das A und O.
Der passende Skitourenschuh
Den passenden Skitourenschuh findest du, indem du auf eine perfekte Balance zwischen Komfort, Leichtigkeit und Stabilität achtest. Denn ein guter Skitourenschuh muss im Aufstieg beweglich und beim Abfahrtsmodus fest und sicher sein. Dies gilt nicht nur, sondern besonders auch für Skihochtouren.
Es gibt keinen spezifischen Schuh nur für Skihochtouren. Wichtiger ist, dass dieser gut eingelaufen ist. Das vermeidet Druckstellen und sorgt für langanhaltenden Tragekomfort auch bei langen Aufstiegen und Abfahrten. Natürlich kannst du für lange Aufstiege generell einen leichteren Schuh mit viel Bewegungsfreiheit wählen. Während für längere Abfahrten etwas robustere und daher auch schwerere Schuhe in Frage kommen. Entscheidend ist, dass du dich wohl fühlst.
Zudem sollte er nicht zu schwer sein, um Ermüdungserscheinungen bei längeren Touren zu verhindern, und über einen gut funktionierenden Walk-Modus verfügen, der dir im Gelände zusätzlichen Spielraum bietet. Am besten du probierst die für dich passenden Schuhe in einem Bergsportgeschäft an und lässt dich beraten.
Packliste:
Tourenski inkl. frisch gewachstem Belag
Skistöcke (optimalerweise Teleskopstöcke mit Klemmverschluss)
Korrekt eingestellte Bindung
Skitourenschuhe inkl. Innenschuh
Felle und Harscheisen für Skihochtouren
Für Skihochtouren sind hochwertige Skitourenfelle aus Mohair oder Mohair/Nylon-Mischungen optimal, da sie beste Gleiteigenschaften und Robustheit bieten. Achte darauf, dass die Felle exakt auf den Skibereich passen und sicher mit Kleber und Haken befestigt werden. Regelmässiges Imprägnieren mit hydrophoben Mitteln wie Skiwachs verhindert, dass die Felle zu viel Feuchtigkeit aufnehmen – das minimiert die Bildung von Stollen. Um Stollenbildung weiter zu vermeiden, solltest du die Felle nicht unnötig nass machen und, falls nötig, den Stockschaft über das Fell ziehen oder kurz mit den Ski stampfen.
Bei den Harscheisen ist es wichtig, dass sie mindestens 5 mm breiter als die Skimitte sind und zur Bindung passen. Je nach Bedarf kannst du zwischen festen Harscheisen (zwischen den Bindungen montiert), mobilen Harscheisen oder vormontierten Modellen wählen. Diese bieten dir optimalen Halt und Flexibilität, um auch steile, eisige Aufstiege sicher zu meistern.
Packliste:
Skitourenfelle inkl. Netze und Fellsack
Harscheisen inkl. Etui
Universeller Wachs (jener von CollTex kann für Felle und Skibelag gleichermassen genutzt werden)
Teigschaber für das entfernen von Stollen
Tipp: Stollen einfach mit Teigschaber entfernen
Falls du doch mal Stollen auf dem Skibelag oder an den Fellen hast, kannst du diese gut mit einem handelsüblichen Teigschaber entfernen. Dieser ist günstig, leicht und braucht nicht viel Platz. Er eigent sich sehr gut für das Abschaben von Rückständen aller Art.
Bekleidung auf einer Skihochtour: Schichten sind die Lösung
Bei Skihochtouren erfordert das extreme Hochgebirgsklima eine besonders gut abgestimmte Bekleidung. Achte darauf, dass du das Zwiebelprinzip nutzt, um dich an wechselnde Wetterbedingungen anzupassen. So kannst du dich in den wärmeren Phasen des Aufstiegs leicht entkleiden und in der kalten Bergnacht wieder aufwärmen. Zudem solltest du auf atmungsaktive Materialien setzen, um Schweiss und Feuchtigkeit schnell abzuleiten. Eine winddichte und wasserabweisende Aussenschicht ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung, da das Wetter in den Bergen oft schnell umschlagen kann.
Packliste Bekleidung für Skihochtouren:
Thermounterwäsche
Skisocken
Fleece
Isolationsjacke (Daunen, Merino oder Primaloft)
Hardshell-Jacke (2-3 Lagen), regendicht
Skihosen mit grosszügigen Lüftungsschlitzen
Handschuhe
Kappe und/oder Stirnband
So funktioniert das Zwiebelprinzip
Das Zwiebelprinzip bei der Bekleidung ist eine bewährte Methode, um dich bei unterschiedlichen Wetterbedingungen optimal zu kleiden. Es besteht aus mehreren Kleidungsschichten, die übereinander getragen werden und sich je nach Bedarf anpassen lassen.
So wendest du das Zwiebelprinzip richtig an:
Basisschicht:
Diese Schicht liegt direkt auf der Haut und soll Feuchtigkeit ableiten. Materialien wie Merinowolle oder synthetische Fasern eignen sich hervorragend, da sie Schweiss schnell verdunsten lassen und gleichzeitig angenehm auf der Haut sind. Merinowolle ist dabei deutlich geruchsneutraler als Synthetik.
Isolationsschicht:
Diese mittlere Schicht sorgt für Wärme. Fleecejacken oder dünne Daunenjacken sind ideal, da sie leicht und gut isolierend sind. Diese Schicht sollte gut belüftet sein, um einen Wärmestau zu vermeiden. Bei viel Isolation geräts du bei anstrengender Aktivität ins Schwitzen. Kleide dich also nicht zu warm während dem Wandern. Bei Pausen oder am Abend vor dem Zelt hingegen ist eine Daunenjacke die perfekte Isolationsschicht.
Aussenschicht:
Die äusserste Schicht schützt dich vor Wind und Wetter. Eine gute zwei- oder dreilagige Regen- oder Windjacke ist hier unerlässlich. Achte darauf, dass diese Schicht atmungsaktiv ist, um Feuchtigkeitsbildung von innen zu verhindern, und gleichzeitig wasser- und winddicht, um dich vor äußeren Einflüssen zu schützen. Grosszügige Belüftungsschlitze sind ebenfalls sehr hilfreich.
Durch das An- und Ausziehen der einzelnen Schichten kannst du deine Körpertemperatur optimal regulieren und bist auf alle Wetterlagen vorbereitet. Das Zwiebelprinzip ermöglicht dir, flexibel auf Temperaturänderungen zu reagieren und sorgt dafür, dass du immer angenehm warm und trocken bleibst.
Sicherheit- und Lawinenausrüstung
Auf einer Skihochtour ist es entscheidend, dass du eine vollständige Sicherheits- und Lawinenausrüstung dabei hast, um im Notfall bestmöglich reagieren zu können. Zwingend erforderlich sind ein LVS-Gerät, eine Lawinensonde und eine robuste Lawinenschaufel.
- Das LVS-Gerät trägst du immer am Körper und solltest vor jeder Tour den Sendemodus sowie den Batteriestatus prüfen.
- Mit der Lawinensonde kannst du im Ernstfall verschüttete Personen präzise orten.
- Eine stabile, ergonomisch geformte Lawinenschaufel ermöglicht dir, den Schnee effizient abzuschaufeln – wichtige Eigenschaften, um im Notfall schnell handeln zu können
- Zusätzlich empfiehlt es sich, einen Lawinenrucksack mit Airbag mitzunehmen, der das Risiko einer Totalverschüttung erheblich reduziert.
- Ein Helm bietet dir Schutz vor Stürzen und herabfallendem Eis oder Fels.
- Ein Erste-Hilfe-Set und ein Biwaksack dafür sorgen, dass du im Falle von Verletzungen oder plötzlicher Auskühlung gut versorgt bist.
- Schließlich solltest du auch an deine Kommunikationsmittel denken: Ein Smartphone mit Notfall-App oder, bei abgelegenen Routen, ein Satellitentelefon sowie ein GPS-Gerät zur Orientierung (bspw. in einem Sturm mit Whiteout) können im Ernstfall lebensrettend sein.
Packliste:
Lawinenschaufel
Sonde
LVS-Gerät
GPS
Biwaksack
Handy mit installierten Notfall-Apps
Erste-Hilfe-Set
Das Laucherenstöckli (1755 m) ist der perfekte Einstieg ins Skitouren: einfache Routen, atemberaubende Ausblicke und eine gute Erreichbarkeit machen diesen Klassiker im Hoch-Ybrig zum beliebten Ziel für Skitourengänger und Schneeschuhwanderer – auch bei knapper Schneelage.
Gletscher- und Hochtourenausrüstung
Für eine Skihochtour mit Gletscherpassagen benötigst du eine Hochtourenausrüstung, um dich sicher im hochalpinen Gelände zu bewegen. Dazu gehört in erster Linie eine technische Kletterausrüstung, bestehend aus einem leichten Klettergurt, mehreren Karabinern (Twistlock- oder Schraubkarabiner, kleinere und HMS), einem 30–50 m langen Seil und Reepschnüren für die Spaltenrettung sowie Bandschlingen und Eisschrauben. Zudem solltest du ein Sicherungsgerät wie eine Nano Traxion oder einen T-Block mitführen, um dich oder deine Tourenpartner im Notfall aus einer Spalte zu bergen.
Auf Gletschern sind Steigeisen und ein Pickel unverzichtbar, um auf vereisten Passagen sicheren Halt zu haben. Aluminium-Modelle mit Antistollplatte sind meist ausreichend. Ein Eispickel kann bei steileren Passagen hilfreich sein, während eine Gletscherbrille deine Augen vor der intensiven Schneereflexion schützt. Falls die Tour Felspassagen beinhaltet, sind mobile Sicherungsmittel wie Keile oder Friends eine sinnvolle Ergänzung.
Packliste:
Leichter Klettergurt
Karabiner
Seil (30-50 m)
Reepschnüre
Bandschlingen
T-Bloc, Nano Traxion
Eisschrauben
Sicherungsgerät
Steigeisen
Pickel
Evtl. mobile Sicherungsmittel wie Friends & Keile
Du planst dein nächstes Skitourenabenteuer und stehst vor der Wahl der richtigen Bindung? In diesem Ratgeber erfährst du alles rund um Skitourenbindungen – egal Pinpindung, Rahmenbindung oder Hybridbindung: Wir zeigen dir, wie du anhand von Sicherheit, Gewicht und Einsatzbereich die beste Entscheidung triffst.
Der passende Rucksack für eine Skihochtour
Ein passender Skitourenrucksack mit einem Volumen von 35–40 Litern ist für jede Tour unerlässlich. Er bietet genügend Platz für deine gesamte Ausrüstung, ohne dich unnötig zu belasten. Achte auf die richtige Rückenlänge und einen effizienten Hüftgurt, um das Gewicht gut zu verteilen. Diesen kannst du optimalerweise auch hinten am Rucksack zurückbinden, um das Material am Hüftgurt frei zugänglich zu haben. Zum Beispiel in Kletterpassagen.
Zudem ist es wichtig, den Rucksackinhalt strategisch zu packen, damit du jederzeit schnell Zugriff auf wichtige Gegenstände hast. Achte darauf, dass du zudem robuste Trageriemen ausserhalb des Rucksack hast, damit du die Ski gut aufbinden kannst.
Den Rucksack richtig packen
Packe deinen Rucksack mit System! Überlege dir, welche Dinge du sofort brauchst und welche eher für später bestimmt sind. Schwere Gegenstände sollten eher unten und leichtere oben verstaut werden. Eine sinnvolle Aufteilung mit wasserdichten Beuteln sorgt zudem dafür, dass empfindliche Ausrüstungsgegenstände geschützt sind. Nicht zu vergessen: Eine Regenhülle, die deinen Rucksack vor plötzlichen Wetterumschwüngen schützt.
Packliste:
Rucksackvolumen: ca. 35–40 Liter
evtl. Regenhülle
Nützliche Accessoires auf einer Skihochtour
Neben der Standardausrüstung gibt es einige zusätzliche und ergänzende Ausrüstungsgegenstände, die deine Skihochtour sicherer und komfortabler machen. Ein Reparatur-Set gehört unbedingt ins Gepäck: Fellspray oder Wachs helfen gegen Stollenbildung, während Kabelbinder und ein Multitool dir bei kleineren Reparaturen an Skibindungen oder Stöcken wertvolle Dienste leisten können.
Eine Isolierflasche für warme Getränke und ein Brotsack mit Energieriegeln oder Nüssen sind empfehlenswert, um deinen Energiehaushalt konstant zu halten. Salz und Pfeffer helfen dabei, den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren. Auch gut durchdachte Bekleidungszusätze können den Unterschied machen: Merino-Skiunterwäsche und spezielle Knöchelsocken beugen Blasen vor, während Gamaschen und ein Gesichtsschutz (Buff) dich bei starkem Wind oder Schneefall schützen.
Dein Rucksack lässt sich mit ein paar praktischen Extras optimieren: Eine seitliche Skibefestigung ist vorteilhaft für längere Tragepassagen, und wasserdichte Beutel helfen, Ordnung zu halten und wichtige Gegenstände trocken zu halten.
Zusätzlich solltest du immer eine Stirnlampe mit einstellbarer Helligkeit dabei haben. Diese sorgt für bessere Sicht am frühen Morgen und ist praktisch in der Hütte.
Packliste:
Stirnlampe
Kalte und warme Getränke (in Thermosflasche)
Buff, Stirnband
Stirnlampe
Lunchsack
Sonnenbrille
wasserdichte Packsäcke
Fazit: Gute Vorbereitung ist das A und O
Bereite dich gut vor, packe systematisch und wähle deine Ausrüstung entsprechend den Bedingungen und deinem Können aus. Denke immer daran, dass regelmässige Überprüfungen und Aktualisierungen deines Equipments für deine Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind. So kannst du mit vollem Vertrauen in dein nächstes Abenteuer starten und jede Herausforderung meistern.